Der Froschkönig bei Dr. Steffen Heinig

Am Brunnenrand sitzt ganz gebannt der Froschkönig samt Krone. Mit goldner Kugel in der Hand tanzt 's Mädchen - oben ohne! Die Braut ist ziemlich gut gebaut. Das Fröschlein transpiriert und hätt noch ewig zugeschaut, jedoch die Jungfrau friert. Der Zufall will 's - die Maid entdeckt den unliebsamen Späher, wodurch ihr Unmut ward geweckt. Jetzt kommt sie sehr schnell näher. Vom Brunnenrand ertönt Gesang: "So groß ist meine Liebe…" Das Königskind behände schwang die Kugel, nun drohn Hiebe. Das Fröschlein sieht - die Kugel fliegt und fühlt sich schon zermatscht. Doch hat es sie nicht abgekriegt, das Brunnenwasser klatscht. Der Schreck ist groß - das Mädel heult, die Kugel scheint verloren! Des Frosches Krone ward verbeult, doch er ist neu geboren! Das Fröschlein meint: "Das Spielzeug scheint sehr wertvoll dir zu sein. Schenk mir 'ne Nacht - innig vereint, dann wird sie wieder dein." Nebst Kugel fiel wohl die Moral ins Wasser mit hinein. Mit Frosch im Bett - welch Ekelqual, jedoch - sagt sie nicht nein. Die Nacht ist klar, der Mond scheint hell. Die Kröte liegt bereit. "Zur Sache meine Schöne - schnell!" Das Königskind - es schreit. Die Glut der Wut erwacht im Blut der Jungfrau - die 's noch war. "Der Übermut tut dir nicht gut! Ich klatsch dich auf - na klar!" Den Grünling packt die feste Faust, trainiert vom Kugelspiele, worauf er schon zur Mauer saust, trifft auf - und rutscht gen Diele. Kein Prinz erwacht an diesem Ort, von wegen - frohe Wende. Der Frosch ist Brei - die Kugel fort. Das Märchen ist zu Ende.